Weihnachtsgeld 2020

Mit Tarifvertrag fällt die Bescherung größer aus

  • 16.11.2020
  • Aktuelles

In wenigen Tagen ist es soweit, mehr als die Hälfte (53%) aller Beschäftigten in Deutschland kann sich auf Weihnachtsgeld freuen! Doch wem steht diese Sonderzahlung zu und wo ist sie geregelt? Hier ein paar Infos dazu:

Traditionell kommt mit der Novemberabrechnung das Weihnachtsgeld. Allerdings kann sich nicht jeder über das Entgeltplus freuen, denn es ist kein gesetzlicher Anspruch.

Laut einer aktuellen Online-Befragung von lohnspiegel.de (betreut durch den WSI), erhalten 53% der Beschäftigten in Deutschland diese Sonderzahlung von ihrem Arbeitgeber.

Die Chancen auf Weihnachtsgeld sind unterschiedlich. Am besten sind Beschäftigte dran, wenn ihr Betrieb tarifgebunden ist – das gilt besonders in diesem von der Corona-Pandemie geprägten Jahr 2020. Von ihnen bekommen in diesem Jahr 77 Prozent Weihnachtsgeld, von denen ohne Tarifverträge nur 41 Prozent. Zudem haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in tarifgebundenen Betrieben durch den Tarifvertrag in der Regel einen rechtlichen Anspruch auf das Weihnachtsgeld. Dagegen zahlt der Arbeitgeber in Betrieben ohne Tarifvertrag das Weihnachtsgeld oft nur freiwillig, das er unter Umständen jederzeit wieder streichen kann.

Frauen erhalten seltener Weihnachtsgeld als Männer. Bei den Frauen sind es 50 Prozent, bei den Männern 55 Prozent. Auch hier spielt die Tarifbindung eine wichtige Rolle: Frauen arbeiten häufiger als Männer in Branchen wie zum Beispiel dem Einzelhandel, wo die Tarifbindung in den letzten Jahren besonders stark zurückgegangen ist.


Wer bekommt Weihnachtsgeld?

Grundsätzlich steht Beschäftigten Weihnachtsgeld zu, wenn es im Arbeitsvertrag, in einer Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag festgeschrieben ist. Im letzteren Fall gehört die Firma einem Arbeitgeberverband an und muss sich an die vereinbarten Tarifverträge halten. Das gilt auch für Betriebe, die zwar nicht Mitglied im Verband sind, sich aber am Branchentarif orientieren. Dann steht im Arbeitsvertrag, dass sich das Weihnachtsgeld nach demTarif richtet.

Besteht nur ein individueller Arbeitsvertrag, in dem ein Weihnachtsgeld in Aussicht gestellt wird, kann der Chef jährlich neu entscheiden, ob er Weihnachtsgeld zahlt. Hat er es jedoch drei Jahre nacheinander vorbehaltlos gewährt, kann er es nicht plötzlich verweigern. Die Belegschaft kann sich dann auf das Gewohnheitsrecht berufen, was Juristen betriebliche Übung nennen.

Ausnahmen von der Regel

Selbst wenn all diese Kriterien zutreffen, können Beschäftigte leer ausgehen oder weniger als ihre Kolleginnen und Kollegen bekommen – etwa bei längerer Krankheit, Elternzeit oder Kündigung. Der Arbeitgeber kann aber nicht eigenmächtig das Weihnachtsgeld kürzen, sondern nur dann, wenn es im Arbeitsvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung vereinbart ist.

In der Metall- und Elektroindustrie haben auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Langzeiterkrankung einen ungekürzten Anspruch auf tariflich abgesichertes Weihnachtsgeld. Das ist regional und in den einzelnen Branchen unterschiedlich geregelt.

Wer bekommt wie viel?

Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie erhalten 55 Prozent ihres durchschnittlichen Monatsentgelts. In der Stahlindustrie ist das Weihnachtsgeld mit dem Urlaubsgeld zu einer Sonderzahlung von 110 Prozent zusammengefasst. Auf das tarifliche Weihnachtsgeld haben in der Regel nur diejenigen Anspruch, die schon sechs Monate im Betrieb beschäftigt sind. Auch die Höhe des Weihnachtsgelds ist oft an die Betriebszugehörigkeit gekoppelt – der volle Anspruch besteht meist nach 36 Monaten.

Falls das Arbeitsverhältnis nach dem Auszahlungsstichtag endet, sind Beschäftigte nach den Tarifverträgen der Metall- und Elektroindustrie nicht verpflichtet, das Weihnachtsgeld zurückzuzahlen. Häufig gibt es aber einzelvertragliche Rückzahlungsklauseln. Auch in Betriebsvereinbarungen können solche Regelungen festgeschrieben sein. Es gilt also: Rückzahlungsklauseln müssen vereinbart sein.

In einigen Branchen wie etwa in der Metall- und Elektroindustrie haben IG Metall und Arbeitgeber in diesem Jahr vereinbart, das Urlaubs- und Weihnachtsgeld anteilig auf die monatlichen Einkommen zu übertragen, um im Fall von Kurzarbeit ein höheres Kurzarbeitergeld zu erhalten. Damit sorgen bindende tarifliche Regelungen dafür, dass das Weihnachtsgeld Millionen von Beschäftigten in Kurzarbeit ihre Einkommen stabilisiert.

Alle sind gleich

Weihnachtsgeld gehört wie das Urlaubsgeld zu den Sonderzahlungen. Für alle gilt: Der Arbeitgeber darf nicht ohne sachlichen Grund einzelne Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer oder Gruppen ausschließen oder schlechter stellen, Arbeiterinnen und Arbeiter nicht schlechter behandeln als Angestellte. Teilzeitbeschäftigten steht der Anteil zu, der ihrer Arbeitszeit entspricht.

Jahressonderzahlungen unterliegen der Einkommensteuer. Der Steuerabzug wird aber nach der Jahrestabelle ermittelt, so dass die Steuerprogression im Auszahlungsmonat nicht voll zum Tragen kommt.