Schaltschränke „Made in Herborn“ sind nun Geschichte

40 Jahre Geschichte endet

  • 30.03.2021
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Nach mehr als 40 Jahren schließen endgültig die Tore bei Rittal RWG GmbH & Co.KG auf dem Stützelberg in Herborn.

Ende der 70iger Jahre zog das Rittal-Schaltschrankwerk RWG in die ehemalige Valvo Kondensatoren Fabrik auf den Herborner Stützelberg. Dort wurde kleine Schaltschränke gefertigt, die großen Schaltschränke in Rittershausen. Von Anfang an gab es auch einen Betriebsrat und zu Beginn auch eine JAV, als die Ausbildung noch vor Ort war. Bis 2001 bestand das weit über Herborn hinaus sichtbare Werk auf dem Stützelberg aus dem Produktionswerk und der Verwaltung/Vertrieb/Entwicklung/Marketing usw.
Über Jahrzehnte hat man in Herborn mit den kleinen Schaltschränken ein gutes Produkt gefertigt, dass auf dem Weltmarkt bis heute gefragt ist.

Noch 2008 gab es die Idee, Herborn zu dem modernsten Schaltschrankwerk Europas umzubauen. Nach harten Auseinandersetzungen um die betriebliche Prämienentlohnung und der Forderung nach einer tariflichen Regelung der Arbeitszeit wurde davon Abstand genommen.
Bei der Prämienentlohnung war der Betriebsrat erfolgreich, der Arbeitgeber musste zurückrudern.
Bei der Arbeitszeitfrage, stand trotz vieler Aktionen der Belegschaft zwar kein Tarifvertrag, aber die Rückkehr zu der 37,5 Std./Woche.
Im Oktober wurde die Belegschaft und der Betriebsrat von der Entscheidung des Gesellschafters Friedhelm Loh zu der 3-Werke-Strategie (Rittershausen, Hof, Haiger) und die damit verbundene Schließung von 4 Produktions-werken: Burbach, Rennerod, Eschenburg Wissenbach, Herborn überrascht.

Für das Herborner Werk war die Schließung für 2017 vorgesehen. Aufgrund des Widerstandes der Beschäftigten und des Betriebsrates gegen den allgemeinen Konzern-Sozialplan verzögerte sich die Schließung. Wenn schon nicht die Werkschließung verhindert werden konnte, wollten Betriebsrat und Beschäftigte über einen eigenen Sozialplan für das Herborner Traditionswerk durchsetzen.
Im Januar 2018 konnte nach langen Verhandlungen mit Unterstützung der IG Metall Herborn und Rechtsanwalt Walter Woeller ein eigenständiger Sozialplan für die von der Schließung betroffenen Beschäftigten der Rittal RWG GmbH & Co.KG in Herborn durchgesetzt werden. Als Termin für die Werkschließung stand nun der 31.3.2019 im Raum. Das Ende des RWG-Werkes auf dem Stützelberg verzögerte sich jedoch, weil das „Ersatzprodukt“ für die kleinen Schaltschränke aus Herborn in dem Haigerer „4.0-Werk“ nicht in ausreichender Anzahl gefertigt werden konnten.

Zum 31. März 2021 endet nun die überaus erfolgreiche Geschichte von Rittal RWG am Standort Herborn-Stützelberg, die ohne die jahrzehntelange gute Arbeit der Beschäftigten nicht möglich gewesen wäre. Zuletzt haben dort noch knapp 80 RWG-KollegInnen zusammen mit über 100 LeiharbeiterInnen kleine Schaltschränke für den (Welt-)Markt gefertigt. Schaltschrank „Made in Herborn“ ist nun leider Geschichte.