C+P Möbel GmbH & Co. KG - Breidenbach

Offener Brief des Betriebsrates und der IG Metall Herborn

  • 13.02.2023
  • Aktuelles

Wir haben uns entschlossen, auch an dieser Stelle den offenen Brief an die Geschäftsleitung - zu Händen Herrn Kirschenfauth - zu veröffentlichen.

Sehr geehrter Herr Kirschenfauth,

mit großer Verwunderung nehmen wir Ihre öffentlichen Reaktionen auf das Vorgehen und die Verlautbarungen der Arbeitnehmervertreter*Innen wahr.

Ihre Pläne, die Produktion in Breidenbach zu großen Teilen zu schließen und 111 Arbeitsplätze in Breidenbach abzubauen stellt die größte Abbaumaßnahme in der Firmengeschichte am Standort Breidenbach dar.

Sowohl der Betriebsrat als auch die IG Metall haben auf Ihre Pläne nicht mit Applaus und Zuspruch reagiert. Das sollte aber verständlich und nachvollziehbar sein.

Aus unserer Sicht entzieht diese Personalmaßnahme dem Standort Breidenbach die komplette Fertigungstiefe und damit auch, in den kommenden Jahren, die Existenzberechtigung im Vergleich zu den anderen beiden Standorten. Aus unserer Sicht wird die Zukunft für die Arbeitsplätze in Breidenbach mit dieser extremen Entscheidung nicht sicherer. Ganz im Gegenteil!

Da auch das öffentliche Interesse nach Ihrer Veröffentlichung in den Medien dazu geführt hat, dass Journalist*Innen bei der IG Metall und dem Betriebsrat nachfragen und deren Sicht auf die Maßnahme in Zeitungsberichten abdrucken, stellt einen völlig normalen Vorgang dar und hätte Ihnen klar sein sollen.

Die Arbeitnehmervertreter*Innen jetzt wiederholt, öffentlich und pauschal zu beleidigen (in vielen Gesprächen mit Beschäftigten und zuletzt in der „Aktuell Nr.4´23“), in dem Sie uns vorwerfen, zu lügen („Falschdarstellungen“), untätig (sprich faul) zu sein oder persönlich beleidigend zu sein, ist weder im Hinblick auf die aktuelle Situation noch im Hinblick auf Ihren gesetzlichen Auftrag der „vertrauensvollen Zusammenarbeit“ (§2 BetrVG) angemessen.

Selbstverständlich haben wir eine eigene Sichtweise auf die von Ihnen angekündigte Maßnahme und deren Auswirkung auf die Zukunft des Standortes Breidenbach. Dem Betriebsrat deswegen vorzuwerfen „Falschdarstellungen“ zu verbreiten, entbehrt jeder Grundlage und widerspricht komplett Ihrer Aussage: „Man muss sicherlich Dinge kontrovers diskutieren...“ (Aktuell Nr.4´23).

Nicht jede Aussage, die von der offiziellen Meinung des Geschäftsführers abweicht, ist auch eine „Falschdarstellung“!

Seit vielen Wochen und Monaten arbeitet die Geschäftsleitung an der Ausarbeitung der Maßnahme. Schon auf der Betriebsversammlung Anfang Dezember 2022 haben Sie berichtet, dass Sie an der Maßnahme arbeiten und auf die Arbeitnehmervertreter*Innen zukommen werden, wenn „man so weit sei“. Wir kritisieren nicht, dass Sie so viel Zeit für die Ausarbeitung benötigt haben. Es braucht Zeit, um sich einen Überblick zu verschaffen um gute Ideen und ein sinnvolles Vorgehen zu erarbeiten.

Als Sie die Belegschaft und den Betriebsrat am 20.01.23 über Ihre Pläne unterrichtet haben, fing dieselbe Arbeit in genau demselben Umfang auch für die Arbeitnehmervertreter*Innen an. Und obwohl Sie ja viele Wochen an diesen Plänen gearbeitet haben, haben Sie den Betriebsrat schon am 24.01.23 (2 Arbeitstage später!) zu Verhandlungen aufgefordert um „möglichst schnell Klarheit für die betroffenen Kolleg*Innen zu erreichen“. Seitdem wird von Ihnen in der betrieblichen Öffentlichkeit ein Bild kolportiert, dass der Betriebsrat seine Arbeit nicht, oder sehr langsam erledigt.

Da Sie ja aus eigener Erfahrung wissen, wie viel Zeit man für die Ausarbeitung und Bewertung einer solchen Maßnahme benötigt, ist es nicht nachvollziehbar, dass Sie offensichtlich glauben, dass Arbeitnehmervertreter*Innen, dieselbe Arbeit in wenigen Stunden erledigen, für die die Geschäftsleitung mehrere Monate benötigt hat.

Trotzdem sind wir seit dem ersten Tag bemüht, möglichst schnell in die Materie vorzudringen und in der Lage zu sein, in die Gespräche mit der Geschäftsleitung einzusteigen. Schon am 01.02.23 konnten wir eine Schulung des Betriebsrates zum Thema organisieren und sind seitdem in engem Austausch mit unseren Berater*Innen um die Maßnahme zu bewerten und uns auf die anstehenden Verhandlungen vorzubereiten. Natürlich finden diese Beratungen nicht alle im Betriebsratsbüro statt, so dass ein Anruf im Betriebsratsbüro auch mal ins Leere gehen kann und ggf. wiederholt werden muss. Auf dieser Grundlage öffentlich zu behaupten, der Betriebsrat sei „untätig“ (Aktuell Nr.4´23) oder verweigere die Kommunikation ist unfair und könnte an der Realität nicht weiter vorbeigehen.

Wir sind uns völlig einig, dass persönliche Beleidigungen kein Teil eines Diskurses sein dürfen.
Weder im persönlichen Gespräch noch in öffentlichen Verlautbarungen. Ein solches Verhalten ist ehrabschneidend und kann strafrechtlich verfolgt werden. Wir sind uns nicht bewusst, Sie oder jemanden aus der Geschäftsführung persönlich beleidigt zu haben. Sie haben jederzeit die Möglichkeit ein solches Verhalten, sollte es denn wirklich entsprechende Vorfälle gegeben haben, entsprechend juristisch zu verfolgen und abschließend klären zu lassen.

Auf jeden Fall fordern wir Sie aber auf, nicht weiterhin öffentlich zu behaupten, dass „die Arbeitnehmervertreter*Innen Sie persönlich beleidigt haben“. Diese Aussage ist definitiv ehrenrührig und ein solches Niveau steht einer Vertretung der Geschäftsleitung schlecht zu Gesicht.

Sowohl Betriebsrat als auch IG Metall arbeiten derzeit sehr hart und intensiv daran die seit dem 07.02.23 geplanten und terminierten Gespräche am 28.02.23 aufnehmen zu können. Wir bieten Ihnen, wie schon in der Vergangenheit, sinnvolle und zielführende Gespräche und den erkennbaren Willen zu einem Kompromiss bzw. Einigung. Dabei vertreten wir aber auch Einschätzungen und Positionen, die sich nicht mit Ihren decken werden. Wir bitten Sie nachdrücklich darum, unsere Meinung als Beitrag zum Diskurs zu werten und nicht als Beleidigung bzw. Falschdarstellung und entsprechende Vorwürfe in der Öffentlichkeit zu unterlassen.

Zu guter Letzt:
Die Einschätzungen über die Personalabbaumaßnahme sind in unserer Belegschaft extrem heterogen. Daher ist es sehr schwer für den Betriebsrat in seinen Verlautbarungen einen „guten“ Ton zu finden, der die Einschätzungen aller Beschäftigten gleichermaßen trifft. So haben wir für die Formulierungen in unserem Dialog Nr. 2 sehr viel Feedback erhalten, genauso viel Lob, wie auch deutliche Kritik. Wir danken allen Beschäftigten ausdrücklich für das Feedback und werden sehr bewusst versuchen, in kommenden Mitteilungen und Verlautbarungen einen besseren Ton zu finden. Wir hoffen sehr, damit unseren Beitrag zu einem gesunden Betriebsklima zu leisten und die angespannte Lage damit nicht noch weiter zu belasten. Dies setzt aber auch ein Umdenken bei Ihnen, Herr Kirschenfauth voraus, in Ihren zukünftigen Verlautbarungen von unnötigen Beleidigungen und Unterstellungen gegenüber den Betriebsräten der IG Metall abzusehen.