600 feiern den 1. Mai in Herborn

Ge(mai)nsam gestalten - Frieden, Gerechtigkeit und sozialer Zusammenhalt

  • 01.05.2022
  • Aktuelles, Bildergalerie

Frieden, Gerechtigkeit und sozialer Zusammenhalt kommen nicht von selbst. Sie müssen immer wieder gemeinsam erkämpft werden. Wir spüren das in diesem Jahr so intensiv wie seit vielen Jahren nicht mehr. Am heutigen 1. Mai in Herborn war der Krieg in der Ukraine das Thema welches sich durch alle Redebeiträge zog. Die Forderung nach einem Waffenstillstand und daraus folgenden Friedensverhandlungen war das beherrschende Thema.

In diesen Zeiten tiefgreifender Veränderungen standen die Bündnispartner aus Gewerkschaften, Kirche und Politik in Herborn auch in diesem Jahr für ein solidarisches Miteinander. Ge(mai)nsam haben wir heute am Tag der Arbeit ein sichtbares Zeichen für eine gerechte und friedvolle Zukunft gesetzt. Denn wir alle wissen: Solidarität braucht Nähe!

Michael Karg - Probst i. R., Maria Becker - Bezirksreferentin der kath. Kirche, Dekan Roland Jäckle und Dr. Uwe Seibert - Ev. Dekanat an der Dill eröffneten den heutigen 1. Mai mit einem ökumenischen Gottesdienst unter dem Motto "Gute Zukunft - nur gemeinsam" Gemeinsam machten sie klar, dass (Auf-)Rüstung nur die Angst auf beiden Seiten vermehre und auf lange Sicht in die Katastrophe führe.

Mit einem Demonstrationszug durch die Innenstadt verschafften sich die Kolleginnen und Kollegen nach dem Gottesdienst Gehör und kündigten die vielen verschiedenen Themen auf dem Weg auf den Marktplatz an.

Auf seinem ersten 1. Mai als 1. Bevollmächtigter der IG Metall Herborn begrüßte Oliver Scheld alle Teilnehmer "Ich freue mich sehr, dass ihr alle am Tag der Arbeit nach Herborn gekommen seid um neben unserer Kundgebung und unserem Familienfest ein Zeichen für Solidarität, Frieden und eine sichere und soziale Zukunft zu setzen."  Er verwies aber auch nochmal darauf: "Wir stecken noch mitten in einer Pandemie die uns seit 2 Jahren stark belastet und wir aktuell auf ein Stück Normalität hoffen zuzugehen. Gleichzeitig befinden wir uns seit dem 24. Februar im Angesicht eines Krieges in der Ukraine, welcher ein Angriff auf unsere europäische Friedensordnung darstellt und sagen klar -Beendet die Kämpfe und lasset die Waffen schweigen!- und als wäre dies nicht schon genug an Themen, so befinden wir uns zusätzlich noch mitten in einem tiefgreifenden industriellen Wandel."
Im Ausblick auf dieses Jahr betonte er aber auch, dass uns ein Jahr voller tarif- und betriebspolitischer Herausforderungen bevorstehe. "Tarifabschlüsse, sichere und zukunftsfähige Arbeitsplätze sind gut und wichtig für uns alle und daher ist es unsere gemeinsame Aufgabe die Tarifbewegungen in diesem Jahr erfolgreich und mit aller Kraft zu führen."

Wolfgang Schuster, Landrat des LDK, machte es in Zahlen deutlich! Ab 2015 hat der LDK in einem längerem Zeitraum ca.  8.000 Flüchtlinge aufgenommen, dagegen stehen jetzt schon 4.000 die nur in den letzten wenigen Wochen hier eine Unterkunft fanden - auch dank den vielen privaten Helfern. Seine klare Ansage: Aktuell beziehen wir Gas und Öl ca. zu 99% aus Russland und um dieses Verhältnis zu ändern, es dringend nötig sei mehr erneuerbare Energien in der heimischen Region zu erzeugen.

Julian Drusenbaum, ver.di Mittelhessen, wies deutlich darauf hin, dass ein Beifall für die in der Pandemie stark belasteten Berufe nicht der einzig richtige Weg sei. Der bessere Weg wäre es genau diese Berufe für ihre höheren Belastung mehr zu Entlohnen, aber auch eine Entschleunigung von prekären Arbeitsverhältnissen die meist von Frauen besetzt sind ist nötig. Auch in der kommenden Tarifrunde für z. B. die ErzieherInnen aus kommunalen Einrichtungen wünscht er sich Solidarität und Verständnis. Jeder der verärgert ist über einen geschlossenen Kindergarten auf Grund eines Streiks sollte dies bitte nicht an den Mitarbeitenden auslassen, sondern sich an seine/n BürgermeisterIn vor Ort wenden und auf das Problem dieses Berufes hinweisen!

Oliver John, Betriebsratsvorsitzender bei Buderus Guss Breidenbach, stellt noch einmal öffentlich klar "Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen von Buderus in Lollar sind wir bereit zu kämpfen. Die Belegschaft in Breidenbach fordert heute erneut eine Beschäftigungssicherung der bestehenden Arbeitsplätze bis 2030." Die Bosch-Gruppe will die Werke verkaufen, was auf großen Widerstandstößt.

Ralf Heppenstiel, Betriebsrat Outokumpu Nirosta Dillenburg und auch Gesamtbetriebsratsvorsitzender des finnischen Konzerns, machte zum heutigen Start in die Tarifrunde Stahl u.a. klar, dass sie in Dillenburg aktuell keinen Stahl verkaufen, sondern ihn unter den Höchstbietenden verteilen! "Unser Stahl ist aktuell der absolute Bestseller und durch die hohen Belastungen und die wegen Corona zuletzt schwierigen Arbeitsbedingungen für die KollegInnen sei die Tarifforderung von 8,2% absolut fair!" Warnstreiks stehen unmittelbar bevor.

Christoph Ehlscheid, Fachbereich Sozialpolitik IG Metall Vorstand, fand als Hauptredner klare Worte zum Krieg. Diese gelebte Solidarität wie in den letzten Wochen hätte er selten erlebt, gab aber auch zu verstehen, dass manchmal ein klarer Unterschied gemacht würde woher die Geflüchteten kommen! Dies habe er in den letzten Wochen mit Erschrecken wahrgenommen. Aber es sollte egal sein ob man Menschen aus der Ukraine, Russland oder auch Afganistan hilft. 

Im Anschluss gab es mit EVE endlich nach langer Corona-Pause wieder Livemusik die den Tag mit den reichlich gefüllten Themen ausklingen lies.

Danke dass ihr da wart! Wir haben uns über jeden Einzelnen von euch sehr gefreut!

Jetzt müssen wir die Themen des Tages gemeinsam angehen!

Euer Team der IG Metall Herborn