2. Mai 2021

Gedenken anlässlich des Jahrestages der Besetzung der Gewerkschaftshäuser

  • 03.05.2021
  • Aktuelles, Bildergalerie

Am Sonntag, 2. Mai 2021 legten Mitglieder des AGA- und Senor*innen-Arbeitskreises der IG Metall Herborn an der Erinnerungstafel in der Burger Landstraße, Sitz des Bergarbeiterbandes bis 2. Mai 1933, Blumen zum Gedenken an die Besetzung der Gewerkschaftshäuser am 2. Mai 2933 nieder.

Mit der Enthüllung der Gedenktafel in der Burger Landstraße am 2. Mai 2013 durch den damaligen Bürgermeister Hans Benner am ehemaligen Gewerkschaftshaus des Bergarbeiterverbandes, dem heutigen Autohaus Grimm, soll an die Verfolgung der Gewerkschafter durch die Faschisten erinnern. Nur wenige Stunden nach dem von dem NS-Staat zum Feiertag erhobenen 1. Mai zum »Tag der Arbeit« , stürmten am 2. Mai 1933 die Nazis das Büro der damaligen Bergarbeitergewerkschaft.

Der alte Dillkreis war in den 30er Jahren schon stark industrialisiert und es hatte sich eine Gewerkschafts- und Arbeiterbewegung entwickelt. Schon kurz nach ihrer Machtergreifung ging es den Nationalsozialisten um die Zerschlagung der freien Gewerkschaften, die Parteien der Arbeiterbewegung - KPD und SPD - waren schon verboten bzw. in ihrer Betätigung eingeschränkt.

In Herborn waren ihnen zwei Männer ein Dorn im Auge gewesen: Heinrich Becker und Paul Szymkowiak, beide Gewerkschaftssekretäre. Becker gehörte zudem für die Sozialdemokraten dem Reichstag an. Und: Er hatte gegen die Ermächtigungsgesetze gestimmt. Beide wurden verfolgt. Während Becker über das Saarland nach Frankreich flüchtete und dort später verhaftet wurde, wurde Szymkowiak im Sommer 1933 in »Schutzhaft« genommen und von der Polizei in Wetzlar gefoltert. Nach dem missglückten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde er erneut verhaftet und in ein Konzentrationslager verschleppt.

Auf der Blumenniederlegung am 2. Mai 2021 erinnert Andrea Theiß, Gewerkschaftssekretärin der IG Metall Herborn, dass es in Herborn nicht nur ein Büro der Bergarbeitergewerkschaft sondern auch des DMV Deutscher Metallarbeiterverband - der Vorläuferorganisation der IG Metall - mit dem hauptamtlichen Gewerkschaftssekretär Adolf Kunz gab. Adolf Kunz war bereits im Juli 1932 von der SA in seiner Gaststätte in Burg (heute Burger Eck) überfallen, verprügelt und verhaftet worden. Der Augenzeugenbericht von Henriette Bretthauer aus 1983 beschreibt den Überfall detailgetreu.

Der AGA- und Senior*innen-Arbeitskreis der IG Metall Herborn wird auf die Stadt Herborn zugehen, um eine Gedenktafel zu errichten, die an die Geschehnisse im Juli 1932 in Burg erinnern. Man will auch Kontakt aufnehmen mit dem ehemaligen Stadtarchivar Rüdiger Störckel, mit der Bitte um Unterstützung bei der Umsetzung.  Der Augenzeugenbericht von Henriette Bretthauer soll dabei einbezogen werden, auch als Zeugnis für die heutigen Generationen.