IG Metall Herborn
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22.07.2019, 07:07 Uhr

Internationaler Frauentag 2019

Rote Rosen, FrauenFrühstückspausen, Frauen-tag(s)kino, 100 Jahre Frauenwahlrecht

  • 22.02.2019
  • Aktuelles

IG Metall Frauen Für ein demokratisches und sozial gerechtes Europa

 

 

Betriebliche Frauenfrühstückspausen Internationaler Frauentag am 8. März 2019

 

Am 8. März 2019 wird der Internationale Frauentag von den IG Metall Frauen im Dillkreis und im Hinterland mit vielfältigen Aktionen begangen. In vielen Betrieben der Metall- und Elektroindustrie gibt es wieder Rosen für die Kolleginnen.  Gemeinsame FrauenFrühstückspausen finden in 12 Betrieben statt, vorbereitet von den Mitgliedern des Frauenausschusses der IG Metall Herborn: Berkenhoff (Merkenbach), Buderus Guss (Breidenbach), Cloos (Haiger), Cohline (Dillenburg), GEA (Wallau), Linde + Wiemann (Dillenburg), Outokumpu (Dillenburg), RWG Rittal (Herborn), Sell (Herborn), Selzer Fertigungs- und Systemtechnik (Driedorf) und Zimmermann Formenbau (Erdhausen).

 

Frauentag(s)kino am 8. März

Film ab heißt es im Rahmen des Frauentag(s)kinos dann im Gloria-Kino in Dillenburg. Ab 18:00 kommt in diesem Jahr der Film „Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen“ auf die Leinwand. Eine Gruppe afroamerikanischer Frauen, liefern der NASA die benötigten Berechnungen, um die erste erfolgreiche Weltraummission zu starten. Doch während die Namen der Astronauten vielen geläufig sind, hat kaum jemand je von Katherine Johnson, Mary Jackson und Dorothy Vaughn gehört. „Hidden Figures“ erzählt die Geschichte dieser Frauen, die im Verborgenen unter den Bedingungen des amerikanischen Alltagsrassismus arbeiteten.

 

Mehr Gleichstellung in der Arbeitswelt

Anlässlich des Internationalen Frauentages fordert die IG Metall Politik und Wirtschaft auf, die Gleichstellung von Frauen und Männern voranzutreiben. Noch immer gibt es beim Entgelt teils massive Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Gleiches Geld für gleichwertige Arbeit ist längst überfällig. Noch immer machen Frauen seltener Karriere als Männer.

 

Neue „Brückenteilzeit“

Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung ist die neue gesetzliche Brückenteilzeit, weil sie helfe, die Teilzeitfalle zu verkleinern. Seit Anfang des Jahres können Beschäftigte in Unternehmen mit mehr als 45 Beschäftigten die Arbeitszeit für 1 bis 5 Jahre reduzieren und anschließend zur vorherigen Arbeitszeit zurückkehren. Allerdings sind zu viele Betriebe vom Gesetz ausgenommen. Und Frauen oder Männer, die heute schon in Teilzeit arbeiten sind von der Neuregelung ausgeschlossen. Zudem ist das Gesetz unflexibel: Wenn eine Kollegin oder ein Kollege in Brückenteilzeit ist und die Arbeitszeit wieder verlängern will, gilt nach Gesetz: Keine Chance. Wir brauchen flexiblere Rechtsansprüche für alle Beschäftigten.

Deutlich flexibler ist der Tarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie aus dem letzten Jahr. Ab 2019 haben Beschäftigte das Recht, nach einer Phase der Absenkung auf bis zu 28 Stunden pro Woche wieder in die ursprüngliche Vollzeitarbeit zurückzukehren. Dies gilt in allen tarifgebundenen Betrieben der Metall- und Elektroindustrie – unabhängig von der Betriebsgröße. Außerdem können Beschäftigte direkt einen Folgeantrag stellen, während die gesetzlichen Regelungen eine Wartefrist von einem Jahr vorsehen.

 

Umwandlung von Geld in Zeit

Die Wahloptionen in dem neuen Tarifvertrag „TZUG“, der die Umwandlung von Geld in freie Tage für Pflege, Kindererziehung und bei Schichtarbeit ermöglicht, wurde in einem Umfang beantragt, den wir nicht erwartet haben. In den Betrieben wurden die Anträge fast alle bewilligt, nur wenige Arbeitgeber stellten sich quer. Mit der Wahloption Zeit statt Geld haben wir den Nerv der Zeit getroffen, Arbeitszeiten die besser zum Leben passen.

 

100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland

Es ist gerade einmal 100 Jahren her, dass in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt wurde. Frauen konnten 1919 erstmals wählen gehen und gewählt werden. 300 Frauen kandierten, 41 wurden gewählt. Das war eine Quote von 9,6 Prozent, so Andrea Theiß. Erstmals 1983 war der Anteil weiblicher Abgeordneter im Bundestag wieder höher. Dies macht deutlich, wie langsam und mühselig der Weg in Sachen Gleichberechtigung ist. Am 19. Februar 1919 hielt Marie Juchacz als erste Frau eine Rede in der Weimarer Nationalversammlung. Was heute als Selbstverständlichkeit angesehen wird, haben Frauen hart erkämpft: am 19. März 1911 gingen mehr als eine Million Frauen in Europa und den USA auf die Straße und forderten das Wahlrecht für Frauen. Der Internationale Frauentag am 8. März steht seitdem für den Kampf für mehr Gleichberechtigung.

 

Für ein sozial gerechtes Europa

Deshalb rufen wir am diesjährigen Internationalen Frauentag alle Frauen auf sich an der Wahl zum Europäischen Parlament am 26. Mai zu beteiligen. Die Gleichstellung von Frauen und Männern gehört von Anfang an zu den Grundwerten der Europäischen Union. Die EU und der Europäische Gerichtshof haben maßgeblich dazu beigetragen, dass in den EU-Mitgliedstaaten die Benachteiligung von Frauen abgebaut, deren Gesundheit geschützt und das Recht von Frauen auf Selbstbestimmung gestärkt wurden. Europa ist ein Motor der Gleichstellungspolitik und ein Bollwerk gegen den Antifeminismus der Rechtspopulisten.

 

Der Aufstieg rechtspopulistischer und nationalistischer Kräfte stellt die EU vor existenzielle Herausforderungen: Wo demokratische Errungenschaften geschliffen werden, stehen auch sicher geglaubte Frauenrechte wieder in Frage. Deshalb ist es jetzt wichtig, so die Gewerkschafterin, unsere europäischen Grundwerte zu verteidigen. Frauen sind besonders gefordert, weil sie sehr viel zu verlieren haben.

 

Hessischer Lohnatlas zeigt große Entgeltungerechtigkeit im Lahn-Dill-Kreis

Der Hessische Lohnatlas unterstreicht den dringenden Handlungsbedarf in Sachen Entgeltgerechtigkeit gerade in unserer Region. Im Lahn-Dill-Kreis beträgt die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männer 18,8 Prozent – nur bezogen auf die vollzeitbeschäftigten Frauen (19.256 Frauen). In Hessen liegt die „Lücke“ bei rund 14 Prozent. Über die Hälfte der Frauen im Lahn-Dill-Kreis arbeiten in Teilzeit, das sind 20.183 Frauen; zudem sind nochmals 10.350 Frauen in einer ausschließlich geringfügigen Beschäftigung. Dies macht die Lücke eher noch größer. In den Produktions- und MINT-Berufen liegt die durchschnittliche Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern im Lahn-Dill-Kreis sogar bei 24,2 Prozent. In absoluten Zahlen ausgedrückt: Männer haben in diesen Berufen durchschnittlich 811 Euro mehr Entgelt als Frauen. Mit dem Hessischen Lohnatlas, der bereits im August 2017 vorgelegt wurde, ist die Lohnlücke nicht mehr wegzudiskutieren. Leider ist außer allgemeinen Appellen seitdem nicht viel passiert. Hier sieht die Gewerkschafterin weiterhin in erster Linie die Unternehmen in der Pflicht.

 

Entgelttransparenzgesetz

Das Entgelttransparenzgesetz ist auch ein Jahr nach der Einführung ein „zahnloser Tiger“ in Sachen Entgeltgleichheit geblieben. Das Gesetz greift ein wichtiges Thema auf, bleibt aber weit hinter den Erwartungen zurück. Das ergibt sich auch aus einer aktuellen Studie der Hans-Böckler-Stiftung: In nur 13 Prozent der mittelgroßen Betriebe zwischen 201 – 500 Beschäftigten hat sich mindestens eine Person an den Betriebsrat gewandt um auf diesem Weg ihr Entgelt prüfen zu lassen. Unsere BetriebsrätInnen wurden geschult. Bisher sind in der Geschäftsstelle Herborn keine Auskunftsanfragen bekannt geworden. Ohne einen Rechtsanspruch auf Entgeltanpassung, verbindliche Prüfverfahren unabhängig von der Betriebsgröße, gesicherte Mitbestimmungsrechte für Betriebsräte und Sanktionen, wenn Arbeitgeber nichts gegen eine Benachteiligung tun, wird sich hier nichts bewegen.


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