IG Metall Herborn
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24.08.2019, 20:08 Uhr

Tarifrunde Metall-/Elektro 2018

Pressemitteilung: Ganztägige Warnstreiks beginnen

  • 30.01.2018
  • Aktuelles, Tarifrunde M+E 2018

Nachdem die dritte Verhandlungsrunde und auch ein weiterer Einigungsversuch am vergangenen Wochenende keine Annäherung bewirken konnten und damit nach wie vor kein Ergebnis in der Tarifrunde vorliegt, ist eine weitere Verschärfung der Arbeitskampfmaßnahmen aus unserer Sicht unumgänglich. Der ganztätige Warnstreik bei Sell in Herborn beginnt am 31.01.2018 und endet nach 24 Stunden. Neben der Sell GmbH in Herborn werden in den kommenden Tagen weitere Betriebe in die 24-Warnstreiks der IG Metall einbezogen. „Wenn Verhandlungen nicht zu Ergebnissen führen bleibt uns keine andere Wahl als den Druck in den Betrieben zu erhöhen.

Aus unserer Sicht liegt es jetzt an den Arbeitgebern sich endlich zu bewegen.

In 11 Punkten haben wir die aktuelle Lage rund um den Tarifkonflikt zusammengefasst.

  1. Die Arbeitgeber haben die Chance auf eine Lösung des Konflikts ausgeschlagen. Die Tarifverhandlungen am Wochenende haben gezeigt: Die Arbeitgeber haben ohne den ernsthaften Willen zur Einigung verhandelt und damit den Konflikt verschärft. Ab einem gewissen Zeitpunkt waren sie an diesem Wochenende auf den Abbruch der Verhandlungen programmiert.
  2. Das Angebot der Arbeitgeber lässt keine Wertschätzung für den enormen Einsatz der Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie erkennen. Es fehlt an Respekt für die persönlichen Belange der Menschen.
  3. Die Metall- und Elektroindustrie ist in einer hervorragenden wirtschaftlichen Lage. Es sind nicht zuletzt die Leistung und die Flexibilität der Beschäftigten, die diese hervorragende Lage begründen.
  4. Daran gemessen ist die angebotene Entgelterhöhung deutlich zu niedrig. Eine Tabellenerhöhung von 3,5 Prozent für eine Laufzeit von 27 Monaten, liegt deutlich unter dem verteilungsneutralen Spielraum. Eine Beteiligung am enormen wirtschaftlichen Erfolg findet nicht statt. Auch eine Anhebung des zusätzlichen Urlaubsgeldes ab 2019, was diskutiert wurde, ändert nichts daran, dass das Volumen der Entgelterhöhung für 27 Monate viel zu niedrig wäre.
  5. Der große Erfolg der Metall- und Elektrounternehmen wäre ohne die enorme Flexibilität der Beschäftigten nicht möglich. Jetzt wollen die Beschäftigten endlich auch von Flexibilität profitieren. Aber die angebotenen Arbeitszeitregelungen greifen zu kurz und sind finanziell nicht ausreichend ausgestattet. Immerhin waren die Arbeitgeber bereit, über Zuschüsse für einzelne Beschäftigtengruppen zu verhandeln. Zugleich aber wollen die Arbeitgeber die Anspruchsgrundlagen für eine verkürzte Vollzeit bei Kindern, Pflege und Schichtarbeit maximal beschränken. Der Anspruch bei Kindererziehung soll auf Kinder bis 8 Jahren beschränkt sein, Beschäftigte in Schicht sollen teilweise erst nach 20 Jahren Betriebszugehörigkeit und 10 Jahren Schichtarbeit einen Anspruch erhalten.
  6. Das Angebot greift damit gerade bei den Beschäftigten zu kurz, die eine Verkürzung am meisten brauchen: den Beschäftigten in Schicht, mit Kindern oder mit pflegebedürftigen Angehörigen. Zusätzlich wollen die Arbeitgeber einen Großteil der Beschäftigten vom Anspruch ausschließen.
  7. Die Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Während um sie herum alle feststellen, dass eine moderne Arbeitswelt ohne eine bessere Vereinbarkeit zwischen Leben und Arbeit nicht denkbar ist, mauern sie sich in alten Mustern ein. Statt die Arbeitszeiten zu modernisieren, halten sie weiter an ihrer Herr-im-Haus-Mentalität fest.
  8. Angesichts der zuletzt vorgelegten Rekordbilanzen ist es für uns völlig unverständlich, dass bei den Arbeitgebern „billiger statt besser“ gilt.
  9. Der IG Metall bleibt keine andere Wahl, als die Warnstreiks auszuweiten. Offensichtlich kann nur so ein befriedigender Kompromiss erreicht werden. Wir fordern die Arbeitgeber auf, nach den 24-Stunden-Warnstreiks mit ernsthaftem Willen zu einer Einigung an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
  10. Eine Lösung dieser Tarifrunde wird es nur geben, wenn die Arbeitgeber deutlich bei allen drei Themen nachlegen: beim Geld, beim Anspruch auf eine befristete Arbeitszeitreduzierung und beim Zuschuss für Beschäftigtengruppen in familiären oder gesundheitlichen Belastungssituationen.
  11. Die Arbeitgeber stellen sich selbst ein Armutszeugnis aus, wenn sie den Konflikt vor Gericht austragen wollen. Mit dem Unfug von Rechtsgutachten muss jetzt Schluss sein. Es darf keine Flucht vom Verhandlungstisch geben. Die Anstandsregeln zwischen den Tarifpartnern werden damit verletzt.

 

Verantwortlich: IG Metall Herborn, Hans-Peter Wieth, 1. Bevollmächtigter


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